Blue Flower

Ornithologische Beobachtungen im April 2019

 Heidi Aemisegger, Edith Altenburger

Foto von Fredy Buchmann: Das Grünfink Männchen im Prachtkleid

1.4. Es ist sonnig und angenehm warm. Veilchen, Buschwindröschen und Sauerklee blühen am Waldrand. Die Singvögel machen ihrem Namen alle Ehre. Jeder äussert sich so laut, so vielfältig und so schön wie er kann, singen, rufen, oder trommeln. Wer zuerst ist, kann sich den besten Nistplatz auswählen.

6.4. Es ist bedeutend kühler. Auf den Schlickbänken im Rhein wird emsig gepickt. Einige Bachstelzen sind da, daneben auffällig viele Bergpiper. Sie sind wenig grösser als die Stelzen und noch im Schlichtkleid, also Vorderseite beige mit braunen Längsstrichen, der Rücken spatzenähnlich. Wahrscheinlich waren sie schon auf den Alpweiden, wo sie brüten. Der Neuschnee hat sie ins Tal hinunter getrieben. Solche Schneefluchten gibt es immer wieder.

Der Schlick im Rhein birgt viel Nahrung. Täglich wir ein Teil davon überschwemmt (Sunk und Schwall durch die Kraftwerke), vor dem Austrocknen bewahrt und mit neuer Nahrung durchsetzt.

Niststandorte werden angeflogen

8.4. Zwei Felsenschwalben fliegen miteinander das letztjährige sehr gut erhaltene Nest am Mühleturm Altendorf an. Es ist gut möglich, dass es das Paar des letzten Jahres ist. Durch intensive Beobachtungen weiss man, dass Rauch- und Mehlschwalben dieses Verhalten haben, ebenso die Mauersegler. Da die Felsenschwalben immer mehr an Gebäuden brüten, könnten sie diese Strategie übernehmen.

15.4. Das Schloss scheint nicht nur Menschen mit unterschiedlichen Interessen anzuziehen. Mindestens drei auffällige Vogelarten haben hier ihren Wohnsitz. Irgendwo hoch oben hat ein Turmfalkenpaar seinen Brutplatz. Manchmal sieht man sie das Gebäude umfliegen oder hoch oben auf einer Sitzwarte Ausschau halten. Seit Jahren gibt es immer wieder Turmfalken am Schloss. Sie lassen sich durch die Kulturbespielung nicht stören.

Unter dem Vordach hausen Strassentauben. Im Schwarm fliegen sie aus und kehren regelmässig zurück. In den Mauernischen des dickwandigen Haupthauses hausen die Dohlen. Jedes Paar braucht eine Nische. Weil sie oft in alten Gemäuern brüten, nennt man sie auch Turmdohlen. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Alpendohlen (gelber Schnabel, rote Beine), die Berggänger anbetteln. Die „Schlossdohlen“ sind schwarz, jedoch zierlicher als Raben. Sie haben graue Wangen und einen grauen Nacken. Sie versuchen in den Nischen zu brüten. Nistmaterial haben sie schon eingetragen. Eine weitere „Turmdohlenkolonie“ findet man bei der Kirche Gams, auch dort kann man oftmals den Turmfalken in nächster Nähe beobachten.

18.4. Am Gebüsch reichen Ufer des renaturierten Binnenkanal singt auf einer Warte ein Grünfink. Die Strophen klingen rollend und trillernd. Ruft oft klingelnd “gügügü“. Der Grünfink ist mit 14 bis 16 cm Körperlänge etwa so groß wie der Haussperling. Der Körper, Kopf und Schnabel sind auffallend kräftig. Der Schnabel ist hell hornfarben. Die Aussenfahnen der Handschwingen sind gelb, wodurch sich ein grüngelbes Flügelfeld ergibt. Das Männchen ist auf der Körperunterseite gelbgrün und auf der Oberseite graugrün. Das Weibchen hat mattere, grauere Farbtöne.

In den letzten Jahren waren die Grünfinken selten anzutreffen. Ein Grund für den starken Rückgang in der Schweiz dürfte der vermutlich miserable Bruterfolg im nasskalten Frühjahr 2013 gewesen sein. Als gravierender könnte sich der Krankheitserreger Trichomonas gallinae erweisen, der erstmals als mutmassliche Todesursache frischtoter Grünfinken diagnostiziert wurde. Dieser trat ab 2005 in Grossbritanien auf, es folgten Norddeutschland, Südfennoskandien und Estland, ab 2012 Öesterreich und Slowenien. Dies ergaben Einbrüche von 60% - 70%. Ein ähnliches Szenario ist in naher Zukunft auch für die Schweiz nicht auszuschliessen. (Johann von Hirschheydt).